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VALIE EXPORT Archiv kommt nach Linz

Linz erwirbt das VALIE EXPORT Archiv. Dazu gab der Gemeinderat am 23. April 2015 mit großer Mehrheit seine Zustimmung. Der Vorlass besteht aus Kunstwerken, Skizzen, Entwürfen, Negativen und weiteren umfangreichen Archivmaterialien aus dem Schaffen der in Linz geborenen Künstlerin. Das Archiv wird in den Sammlungsbestand des LENTOS Kunstmuseum eingebracht, das damit die größte Erweiterung seit Ankauf der Sammlung Gurlitt in den 1950er-Jahren erfährt. Mit diesem Schritt legt die Stadt Linz gleichzeitig den Grundstein für den Betrieb eines VALIE EXPORT Centers, einer internationalen Forschungsstätte für Medien- und Performancekunst.

VALIE EXPORT Center

Aufbauend auf dem VALIE EXPORT Archiv wird die Stadt Linz in Kooperation mit der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz ein international ausgerichtetes Forschungszentrum, das „VALIE EXPORT Center. Forschungszentrum für Medien- und Performancekunst“ betreiben. Das VALIE EXPORT Center ist damit neben dem Adalbert-Stifter-Institut des Landes OÖ. die zweite Forschungsstätte in Linz, die sich explizit dem Werk einer bedeutenden KünstlerInnenpersönlichkeit dieser Stadt widmet.

Ziel des Forschungszentrums ist es, professionelle Rahmenbedingungen für die wissenschaftliche Erforschung und Aufarbeitung des VALIE EXPORT Archivs und die Vermittlung seiner Inhalte zu schaffen und dessen öffentliche Zugänglichkeit zu ermöglichen. Mit diesen Zielsetzungen soll der Vorlass von VALIE EXPORT für spätere Generationen gesichert und auf wissenschaftlicher Basis aufgearbeitet werden. Das VALIE EXPORT Center soll – ausgehend vom Werkschaffen von VALIE EXPORT – auch Ausgangspunkt und Impuls für die künstlerische, wissenschaftliche und vermittlerische Auseinandersetzung mit Medien- und Performancekunst weltweit sein und als Ausgangspunkt für Forschungstätigkeiten Dritter fungieren bzw. diese ermöglichen und unterstützen.

Wichtige Schwerpunkte zur Erreichung dieser Ziele sind die Schaffung einer Datenbank inklusive einer geeigneten Langzeitarchivierung für alle Materialien des VALIE EXPORT Archivs, öffentliche Zugänglichkeit (online und physisch) für Forschungs- und Studienzwecke, eine wissenschaftliche Publikationstätigkeit sowie regelmäßige Veranstaltungen.

Das VALIE EXPORT Center hat mit 1. Juni 2015 seinen Betrieb in Form einer Aufbauphase aufgenommen. Dabei stehen vor allem eine erste inventarische Erfassung, die Überstellung des Archivs von Wien nach Linz und sämtliche räumliche und organisatorische Vorbereitungen für den Vollbetrieb des Centers im Vordergrund. Voraussichtlich ab 2017 nimmt das VALIE EXPORT Center seinen Regelbetrieb auf. Als Standort ist eine Unterbringung in der Tabakfabrik Linz vorgesehen. Im Rahmen der bereits beschlossenen Generalsanierung des Bau 1, des ehemaligen Zigarettenfabrikationsgebäudes im südlichen Teil der Tabakfabrik, sollen 320 m² exklusiv für die Räumlichkeiten des VALIE EXPORT Centers vorgesehen und baulich entsprechend adaptiert werden.

Die geplante Aufgabenverteilung sieht vor, dass die Stadt Linz für die Infrastrukturkosten und die Kunstuniversität für die Kosten des Forschungsbetriebs des VALIE EXPORT Centers aufkommt. Die Stadt Linz bzw. das LENTOS Kunstmuseum stellt dazu im Wesentlichen die notwendigen Raumressourcen und sämtliche Materialien des VALIE EXPORT Archivs zur Verfügung, die Kunstuniversität bringt auf eigene Kosten das erforderliche wissenschaftliche und administrative Personal ein.

Bedeutung von VALIE EXPORT für Linz

VALIE EXPORT zählt seit Jahrzehnten zu den international bedeutendsten Künstlerinnen aus Österreich. Im 2013 veröffentlichten „GEWINN-Kunstbarometer“ der Top-50 KünstlerInnen Österreichs rangiert VALIE EXPORT beispielsweise hinter Maria Lassnig und Arnulf Rainer auf Rang 3 aller lebenden österreichischen KünstlerInnen.

VALIE EXPORT wurde in Linz geboren, wuchs hier auf und ging hier zur Schule. Ihre Karriere begann Ende der 1960er-Jahre durch Aufsehen erregende Aktionen im öffentlichen Raum, die im performativen Bereich und in der Medienkunst anzusiedeln sind und aus einer feministischen Perspektive entwickelt wurden. Durch ihre Teilnahme bei der documenta 6 in Kassel (1977) und an der Biennale in Venedig (1980) erlangte sie erstmals auch offizielle Anerkennung in Österreich und zählt seitdem zum Kanon des zeitgenössischen österreichischen Kunstschaffens.

Ihre Professuren an der University of Wisconsin-Milwaukee (1989–1992), an der Hochschule der Künste Berlin (1991–1995) und an der Kunsthochschule für Medien Köln (1995–2005) brachten sie auch in den akademischen Kunstbetrieb.

Mit der Verleihung des Ehrendoktorats der Kunstuniversität Linz im Jahr 2009 – das erste Ehrendoktorat, das diese Universität vergab – sowie der Personale Zeit und Gegenzeit im LENTOS Kunstmuseum, die in Kooperation mit dem Belvedere Wien im Herbst 2010 ausgerichtet wurde, fanden bereits Beachtung und Würdigung ihres Werks in ihrer Heimatstadt statt. 2010 erhielt sie das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, 2015 das Große Goldene Ehrenzeichen der Stadt Linz.

Inhalt des VALIE EXPORT Archivs

Das VALIE EXPORT Archiv umfasst neben mehreren Kunstwerken wichtige Dokumente und Werkskizzen zu allen Schaffensperioden. Darin enthalten sind u. a. Projektskizzen, Konzepte, ein umfassendes Foto-, Film- und Videoarchiv, Korrespondenzen, Informationsmaterialien (Plakate, Folder etc.), Zeitungsausschnitte (Rezensionen, Reportagen etc.) und eine Bibliothek sowie Originale zu verschiedenen Werkgruppen.

Mehr Details finden Sie hier (PDF, 131 KB).

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Foto: © maschekS.